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„Fastnacht in schweren Zeiten – Text und Bilder”

21.05.2017 - 01.10.2017

Fastnacht in der Zeit der Diktatur

Nach der „Machtergreifung“ 1933 sagte das NS-Organ  „Mainzer Warte“ voraus, dass die kleinen Garden, die zuletzt zu einer Landplage geworden wären, verschwinden werden und „nur die alten und bewährten Garden, die einwandfrei geführt werden, erhalten bleiben.“  Gemeint waren die Ranzengarde, die Prinzengarde, die Garde der Prinzessin, die Jokusgarde und die Kleppergarde.

So formulierte in der Kampagne 1934 der Schülerprinz:  „Ich bin geboren, deutsch zu fühlen, bin ganz auf deutsches Denken eingestellt, erst kommt mein Volk, und dann die andern vielen.“

„Beim Generalappell der Mainzer Prinzengarde meinte ein Redner, dass die Garde schon lange dem Führerprinzip huldige und deshalb hinter der neuen politischen Bewegung stehe.“  Bei der Rekrutenvereidigung 1934 wurde das Horst-Wessel-Lied angestimmt.

Das Motto der Kampagne 1935 hieß: „Alles unner ääner Kapp“. Ab 1936 brauchten Redner und Sänger für ihre Auftritte einen Berufsausweis der Reichsfachschaft Artistik bei der Reichstheaterkammer. Für Nichtprofis gab es Tagesscheine. Fehlten Ausweise, wurden die Vereinspräsidenten für das Programm verantwortlich gemacht.

Am Aschermittwoch 1935 ließ Gauleiter Sprenger das Komitee des MCV verhaften und ins Central-Hotel Eden bringen, wo er dem Gremium eröffnete, es handle sich um die Einladung zu einem Katerfrühstück. Wahrscheinlich wollten die neuen Machthaber eher demonstrieren, dass sie die Fastnacht und die Fastnachter für sich vereinnahmen wollten. 

Mainz und seine Fastnachter wurden für zu wenig nationale Gesinnung vom Leitartikler des „Frankfurter Volksblattes“ gerügt: „Bei allem Verständnis für Freude und Humor verbitten wir es uns, wenn sich Nichtnationalsozialisten in der Bütte höhnisch und überheblich mit Dingen befassen, die uns heilig sind und die uns alles bedeuten. Man wird den Geschmack nicht los, als lägen die versteckten Angriffe von der Kanzel herunter auf der gleichen Linie wie die aus der Bütte.“  

Die Großraumvitrine enthält Liederhefte und Fastnachtsorden aus den Jahren 1930-1949, sie spiegeln thematisch und gestalterisch den Zeitgeist und die große Spanne zwischen dem Prunk des Jubiläumsjahres 1938 (100 Jahre MCV) und den bescheidenen Versuchen, nach 1945 die Mainzer Fastnacht wieder in Gang zu bringen.

Fotos von privaten Fastnachtsfeiern sind selten. In der Sammlung von Herbert Bonewitz finden sich Fotos schon aus den späten zwanziger Jahren.

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